Familien-Zentrum-Freudenstadt
Informelle Bildung
in unserem offenen Café


Seit vielen Jahren bietet unser offenes Café "Pfiffikus" öffentlichen Lebensraum für Familien, v.a. für Mütter mit Kindern. Dieser lebendige offene Treffpunkt für alle Generationen spiegelt sehr schön den Ansatz unserer Arbeit. Der niedrigschwellige Ansatz ermöglicht Müttern aus allen sozialen Schichten, auf völlig unverbindlicher Ebene (im Gegensatz zu herkömmlichen Programmen) einfach auf eine Tasse Kaffee vorbeizukommen. Das praktizierte "gelebte" familienfreundliche Klima ("Du bist herzlich willkommen", "Schön, dass Du da bist - mit Kind") trägt Sorge für ein "Wohlfühlen" der Mütter im Zentrum, in der Nachbarschaft, in ihrer Stadt.

Mütter begegnen sich auf einer Ebene der Gleichwertigkeit - es begegnen sich
die Auswärtige, die Arbeiterin, die Angestellte, die Ausländerin, die Akademikerin, die Arbeitslose, die Alteingesessene, die Alleinerziehende, die Aussiedlerin, die Alleinstehende.
Im "öffentlichen Wohnraum" - im Café können sie - die Alltagsexpertinnen - sich über Erziehung, Alltag, Partnerschaft, Gesellschaftspolitik u.v.m. austauschen und gegenseitig beraten. Dies ist aus präventiver Sicht von immenser Bedeutung, v.a. vor dem Hintergrund des immer wichtiger werdenden lebenslangen und lebensnahen Lernens und der schwierigen frühen Erreichbarkeit von Familien im Bereich der Familienbildung.

Der Ressourcenansatz - jede Mutter ist Expertin - ermöglicht Frauen, sich als kompetent zu erleben, sich aktiv im Zentrum, in ihrer Nachbarschaft, in ihrer Stadt einzubringen, sich Neues zuzutrauen, auszuprobieren. Nur durch diese "natürlichen Schnitt- und Berührungsstellen" ist es uns möglich, viele soziale Schichten anzusprechen, wird Müttern die Möglichkeit gegeben, sich ihre eigenen, auf ihren Bedarf zugeschnittenen Netzwerke zu kreieren.
Durch diese offenen Begegnungsmöglichkeiten werden die Isolierungen von Müttern aufgebrochen, werden deren Selbstgestaltungspotentiale aktiviert - und das in einer höchst krisenanfälligen sensiblien Lebensübergangsphase, wenn die Kinder noch sehr klein sind (z. B. Zunahme der Scheidungen).

Durch die oft über Jahre gewachsenen Beziehungen entsteht eine Vertrauensebene, die es Müttern ermöglicht, sich auch in prekären Familiensituationen (z.B. Armut, Überforderung, Gewalt) zu öffnen. Diese Situationen werden wiederum von unseren PraxisexpertInnen im Ehrenamt begleitet. Es bedarf hier oft "Schonräumen", wo Mütter und Menschen aus benachteiligten Gruppen sich "outen" können (z. B. in Einzelgesprächen, Kleingruppen), denn diese Themen sind stark tabuisiert, haben mit Scham und Würde zu tun.

Diese so wichtige Beratungsarbeit erfordert Sensibilität und besondere Kompetenz von Müttern. Wir haben zwei Mütter als Leadership-Support-Trainerinnen ausbilden lassen, um mit den betroffenen Müttern in diesen krisenhaften Situationen gemeinsame Problemlösungen zu entwickeln und in Kleingruppen eine bewusste Unterstützungskultur herzustellen. Die LSP-Methode ermöglicht Frauen, u. a. Leitungsaufgaben zu übernehmen, unterstützt Frauen im bewussten Umgang mit eigenen Führungsqualitäten, lässt die Nachhaltigkeit, das soziale Kapital in Gruppen wachsen.

Die gesamte Beratungstätigkeit im offenen Café - von Fachfrau Mutter zu Fachfrau Mutter - ist höchst präventiv, fungiert im Vorfeld institutioneller Einrichtungen und spart dem Staat immense Kosten. Die Mütter stellen bewusst eine gegenseitige Unterstützungskultur her, steuern somit selbst gegen die Tendenz, sich zu verausgaben (Burn-out-Syndrom) und lernen bewusst, die Fähigkeiten und Ressourcen aller Beteiligten zu erschließen.

So können die als oftmals schwierig sich erweisenden Familienphasen gelingen, positiv erlebt werden, Freude bereiten und für jeden Menschen zu einem persönlichen Entdeckungsweg, zu ungeahnten Fähigkeiten werden.

Und das alles bei einer Tasse Kaffee.....